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Information des Landesamts für Umwelt Brandenburg zum Vorkommen des nicht-heimischen Sikahirsches (Cervus nippon) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin

Amt Neustadt (Dosse), den 27.​02.​2026

Ursprung des freilebenden Bestandes
In den Jahren 2018 und 2023 sind insgesamt 36 Exemplare des Sikahirsches aus einer landwirtschaftlichen Gatterhaltung in der Gemarkung Zernitz im Amt Neustadt/Dosse entkommen. Diese Tiere halten sich seitdem vorwiegend in der Umgebung der Ortschaft Lohm auf und vermehren sich. Einzelne Exemplare wandern weiter umher und wurden bereits in Sachsen-Anhalt festgestellt.


Listung als invasive Art
Seit dem 07.08.2025 steht der in Ostasien heimische Sikahirsch durch Beschluss der EU-Mitgliedstaaten auf der EU-Liste der invasiven Tierarten und fällt damit unter die Bestimmungen der unmittelbar geltenden EU-Verordnung zu invasiven Arten (VO (EU) Nr. 1143/2014). Grundlage dieser Einstufung ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Sikahirsch-Bestände in Europa durch die Hybridisierung mit Rothirschen, die Verdrängung heimischer Wildarten und vermehrten Verbiss von Gehölzen Schäden an der heimischen Natur verursachen. Seitdem ist über die jagdrechtliche Problematik hinaus die Haltung und das Aussetzen von Sikahirschen naturschutzrechtlich verboten. Vorhandene freilebende Bestände sind, sofern mit angemessenem Kosten-Nutzen-Aufwand möglich, zu beseitigen.


Bestandserfassung 2025
Um die Situation im Amt Neustadt/Dosse bewerten zu können, hat das für invasive Arten zuständige Landesamt für Umwelt eine Erfassung der wild lebenden Sikahirsche durchführen lassen. Diese wurde Anfang Dezember 2025 von einer auf Wildtiermanagement spezialisierten Firma u.a. mit Hilfe von Wärmebildkamera-Drohnen durchgeführt. Ziel war die Ermittlung von Größe, Verteilung und Verbreitung des Bestandes sowie mögliche Hinweise auf Hybridisierung mit anderen Hirscharten.


Dabei wurden 42 Exemplare in drei getrennten Gruppen festgestellt. Bei einem großen Teil dieses Bestandes wurden deutliche Anzeichen einer bereits erfolgten Hybridisierung mit heimischen Rothirschen ermittelt und dokumentiert. Das Monitoring bestätigt daher, dass diese größte von Sikahirschen ausgehende Gefahr sich bei diesem Bestand bereits manifestiert hat.
 


Weiterer Umgang mit dem Sika-Bestand
Angesichts des relativ kleinen ermittelten Bestandes ist eine Beseitigung des Vorkommens mit einem im Vergleich zu möglichen Schäden durch eine anwachsende Population noch vergleichsweise geringem Aufwand möglich. Die Alternative einer dauerhaften Trennung von Rot- und Sikahirschen zur Verhinderung von Hybridisierung ist in der Region weder praktisch noch finanziell leistbar. Zudem würde dies zu einem Lebensraumverlust für die heimischen Rothirsche führen.
 

Sikahirsche gehören in Deutschland zum jagdbaren Wild. Die Sikahirsche im Amt Neustadt/Dosse wurden bereits seit ihrem ersten Ausbruch aus der landwirtschaftlichen Gatterhaltung bejagt. Der Sikabestand soll nun mit normalem jagdlichen Handeln der Jäger vor Ort durch Einzelabschüsse kontrolliert werden. Die Zielstellung ist dabei, den Bestand langsam (wahrscheinlich über mehrere Jahre) zu reduzieren, wenn möglich auf Null. Konzertierte Abschussaktionen sind dagegen nicht vorgesehen, da diese weder effektiv noch notwendig sind.

 

 

👉 Über die Situation und den geplanten Umgang mit dem Sikahirschbestand berichtete auch der rbb in einem aktuellen Beitrag.

rbb24 Brandenburg aktuell: Sika-Hirsche - hier anschauen